Agility mit Scotties
Einige halten den Scottish Terrier für deplatziert auf dem Hundeplatz. Ich bin anderer Meinung: Für viele Agilityaner bedeutet der Sport möglichst schnelle Zeiten mit sehr schnellen Hunden zu erreichen. Für mich spielt die Hunderasse weniger eine Rolle. Sollte dieser faszinierende Sport nicht in erster Linie Mensch und Tier Freude bereiten? Hauptsache man beschäftigt seinen Hund und Lebensfreude steht für beide im Vordergrund! Flash ist total agilitybegeistert und er ist einfach ein toller Hund. Er ist so fein und sensibel auf mich abgestimmt, dass Fehler sicher immer mir zuzuschreiben sind! Sein Körper ist vielleicht nicht so schnell wie ein Parson Russell Terrier, aber wenn man seine Geschwindigkeit in seine Relation setzt, ist er sehr schnell. Zudem ist er sehr führig. Einen langsamerer 0 Fehler Lauf bringt mehr, wie ein Hund der kopflos über jedes Hindernis fegt, dass er sieht. Gerade bei schwierigen Parcours ist Flash eine wahre Lebensversicherung und erreichte als ersten Scottie in Europa die höchste Leistungskategorie.
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Hier ein Text über meine Anfänge mit den Scotties im Agility:
Meine schottischen Agility „Champions“
„Willst Du dich wirklich lächerlich machen?“ fragte mich meine Kollegin, als ich ihr mitteilte, dass ich mit meinen zwei Scotties an einem Plauschwettbewerb teilnehmen will. Sie startete mit dem vom Vater ausgebildeten Labrador Retriever. Meine zwei Schotten hatten zwar keinerlei hundesportliche Grundausbildung, aber wir platzierten uns doch im ersten Drittel der Rangierung. Da war sogar meine Kollegin recht erstaunt.
Seither ist, wie wir in der Schweiz sagen, viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen. Ich habe fünf Hunde hundesportlich ausgebildet, vier davon waren, bzw. sind Schotten!
Timmy war ein wunderschöner, charismatischer Scottierüde im Besitz des Filmproduzenten Mike Magee. Er lebte zusammen mit seiner fröhlichen und sehr vitalen Schwester Tessie. Diese lenkte mit ihrer extrovertierter Art die Aufmerksamkeit aller Menschen stärker auf sich als ihr introvertierter, philosophischer Bruder. Er zeigte einige Verhaltensweisen, die auf mangelndes Selbstvertrauen schliessen liessen. Er hatte besonders abends Knurrphasen und war sehr berührungsempfindlich. So beschlossen Mike und ich, dass Timmy gefördert werden muss. Kurzerhand meldete ich den achtjährigen Hund ohne Grundausbildung zu einem Agilityanfängerkurs an. Obwohl ich von vielen für dieses Vorhaben belächelt wurde, mit einem Hund, der “zu stur zum arbeiten sei“, Agility zu machen, glaubte ich voll und ganz daran, dass mein Vorhaben gelingen würde.
Timmy
Aufgeregt war ich doch ziemlich, als ich erstmals mit Timmy auf dem Platz erschien. Aber auch mit viel Vertrauen in meinen Hund. Ich wusste, er würde allen zeigen, was ihn im steckt! Tatsächlich war Timmy von Anfang an unglaublich gut, ich musste ihm nichts lernen. Er konnte alles von selber! Der sonst ruhige, beinahe phlegmatisch wirkende Hund zeigte wieviel Schnelligkeit und Enthusiasmus in ihm steckt. Die Wippe, ein Hindernis, für das viele Hunde mehrere Wochen brauchen, um es zu lernen, hatte Timmy nach dem zweiten Mal kapiert und nie falsch gemacht. Auf dem Parcours harmonierten wir von Anfang an perfekt, er reagierte in Splittsekunden immer Richtig auf meine Kommunikation. Seine Motivation schien keine Grenze zu haben.
Wenn ich Timmy zum Training abholte und er die Agilityleine sah, war er nicht mehr zu halten. Er raste so schnell zum Auto, dass ich ihn nicht mehr einholen konnte. Beim Einlaufen zeigte er die schönste Unterordnung. Bis dahin hatte er sich gegen Fusslaufen geweigert, es war ihm verständlicherweise zu blöd. Er ging freiwillig in’s Platz, sogar bei nassem Wetter. Früher brachten keine Zehn Pferde diesen Schotten ins Platz, schon gar nicht, wenn der Bauch nass zu werden drohte... Er begann begeistert mit mir zu spielen. Bis zuvor quittierte er Spielzeuge mit einem sehr desinteressierten Gesichtsausdruck, Das Erstaunlichste, aber war die Veränderung seines Wesens. Er wurde ausgeglichener und selbstbewusster, er knurrte abends nicht mehr.
Bald konnten wir auch an Wettkämpfen teilnehmen, einmal erreichten wir Platz 3 von 63 an einem Plauschturnier. Mit einem Scottie bin ich eine Rarität auf dem Agilityplatz. In der Schweiz gibt es soviel ich weiss nur meine Scotties, die eine Agilitylizenz haben.
Immer mehr reifte in mir die Erkenntnis, dass es nicht darauf an kommt, wie klein, wie alt, wie „stur“ oder von welcher Rasse ein Hund ist. Das einzig entscheidende ist die Beziehung zwischen Mensch und Hund, das gegenseitige Vertrauen und die Fähigkeit den Hund zu motivieren. Es ist wichtig und gehört meiner Meinung nach zu artgerechter Hundehaltung, dass man seinen Hund geistig fördert. Es macht zudem Spass und stärkt die Bindung in einer art, die man selber erleben muss! Wichtig, besonders bei den sensiblen Schotten ist, nur mit positiver Bestärkung und viel Motivation zu arbeiten. Ein Hund tut dies, was der Mensch ihm bewusst oder unbewusst kommuniziert, also suche ich den Fehler immer bei mir.
Timmy
Es kommt nicht darauf an, was man macht, Hauptsache man beschäftigt sich mit seinem Tier. Dabei darf man sich nicht von Personen beeindrucken lassen, die Schotten auf Hundeplätzen für deplatziert halten. Eine Frau meinte einmal zu mir „Wenn Du wirklich arbeiten willst, brauchst Du schon einen rechten Hund“ über so eine Frechheit blieben mir gleich die Worte weg. Solche Personen wissen nicht, um was es beim Hundesport geht: um den Hund und nur um den Hund! Ich halte mich im Prinzip aus allen Menschelerein heraus, finde es aber schade. Es wäre doch so nicht nötig!
Timmy ist leider mit 11 1/2 Jahren an einem Lebertumor gestorben, aber er blieb bis drei Tage vor seinem Tod fit und agilitybegeistert! Da Tessie nicht alleine bleiben konnte, kamen bald zwei neue Schotten in mein Leben, Scully und Flash. Tessie und die kleine Scully trainierten ich in einer Plauschgruppe. Da waren die Hindernisse seniorengerecht und alles ein bisschen lockerer. Tessie gab das wöchentliche Training immer wieder Auftrieb. Es ist imposant zu sehen, wie dieser kleine Teufelsbraten Power und Speed hatet, wenn sie wollte. Scully hat enorme Fortschritte gemacht. Sie hat viel Freude und gibt immer alles. Scully hat ein bisschen ein zerstreutes Wesen. Das Training ist für sie eine Bereicherung und stabilisiert ihr Wesen ungemein.
Der jüngere Halbbruder von Scully, Flash, ist ein wahres Talent. Er kriegt fast nicht genug und hasst es, wenn er zulange auf den nächsten Lauf warten muss. Er kann dann ziemlich lauf kläffen oder sitzt wie ein Murmeltier auf den Hinterläufen und hypnotisiert mich. Kurz vor seinem zweiten Geburtstag nach zahlreichen Trainingsstunden kam der grosse Moment: sein 1. Wettkampf.
Im Training hatte er sich bereits zu einem beinahe 0 Fehlerhund gemausert hatte, war die Situation im Wettkampf anders. Das Publikum, viele Hunde, anderer Boden, andere Geräte, Lautsprecher... All das machte Flash ziemlich Herzklopfen. Er gab alles, war sehr konzentriert und freudig und die Fehler waren, wie eigentlich immer, von mir verursacht. Obwohl wir uns nicht klassierten, verliessen wir glücklich den Platz. Wir hatten viel Spass und Flash hat mir bewiesen, wie viel Potential in ihm steckt. Bei unserem dritten Wettkampf siegte Flash vor 20 anderen Konkurrenten, das Publikum applaudierte tosend und feuerte Flash an, der mit stolzen 4,29 Meter pro Sekunde fehlerfrei über den Parcours flitze. Was für ein Erlebnis!
2007 kam Hitchcock in unser Rudel. Er ist ein wahres Agilitytalent! Er ist sehr schnell und konkurrenzfähig, in einem Mass, was für einen Schotten doch eher ungewöhnlich ist - siehe: Hitch
Jedoch liebe ich es nach wie vor mit Flash zu laufen, da wir ein so vertrautes, zusammengeschweisstes Team geworden sind. Flash gibt alles, was er kann und diese Freude ist sehr ansteckend!
Ich hoffe bei Ihnen etwas Interesse geweckt zu haben. Ist Ihr Hund gesund und nicht zu dick? Hätten Sie Lust mit Ihrem Hund etwas Spezielles zu machen? Falls Sie irgendeine Frage haben, stehe ich gerne zur Verfügung oder kann Sie an Informationsstellen weiterleiten.
(Kontakt) In der Schweiz ist das Angebot breit und da kenne ich mich besser aus, aber vielleicht kann ich auch in Deutschland oder Österreich behilflich sein.
© Bettina Stemmler 2005
