Kynologie

Über mich
Nach der Wirtschaftsmatur am Büelrain in Winterthur, begann ich ein Biologiestudium mit dem Ziel Verhaltensbiologie. Durch eine knapp nicht bestandene Physikprüfung am 1. Vordiplom war ich gezwungen mein Studium aufzugeben. Danach arbeitete ich ein knappes Jahr in der Filmproduktion, Jetzt studiere ich Psychologie an der Universität Zürich, Vertiefung Sozialpsychologie mit Nebenfächern Geschichte und Philosophie. Ich möchte mich auf dem Gebiet der Psychologie der Mensch-Tier Beziehung spezialisieren. Neben dem Studium absolviere ich neben dem Studium kynologische Ausbildungen. Bei der Stiftung zum Wohl des Hundes beendete ich 2006 den Hundeinstruktor Basis Kurs 1 und 2008 beendete ich die Ausbildung zum dipl. tierpsychologischen Berater IET. (siehe Links). 2009 schloss ich die Ausbildung zum internationalen Hundetrainer nach Turid Rugaas ab. Ich arbeite immer noch temporär in der Filmbrache. Nebst meinen Hunden, Agility und der Kynologie interessiere ich mich sehr breit für viele Wissenschaften: Zoologie, Ethologie, Pälaontologie, Anthropologie, Evolutionsbiologie, Psychologie, Geschichtswissenschaft, Philosophie, Ethnologie etc. Ebenfalls interessiere ich mich für die Gegenwartsgeschichte, das Weltgeschehen usw. 
Jeden Montag bin ich Übungsleiterin der Agility-Mobilityplauschgruppe in Embrach (www.kvembrach.ch) Zudem veranstaltete ich Lerntheorie und Agilityseminare.

Die Kurse beim Certodog sind jedem, der mit Hunden arbeitet oder auch als Übungsleiter tätig ist, sehr zu empfehlen.  Beim Link Downloads habe ich einige Arbeiten zum downloaden, sowie Artikel, welche ich in der Scottiepost (www.scottiepost.de) veröffentlicht habe.  



Empfehlenswerte Links zum Thema

Stiftung für das Wohl des Hundes Certodog








I.E.T. Institut für Ethologie und angewandte Tierpsychologie von Dr. Dennis C. Turner








Homepage von Ingrid Blum, tierpsychologische Beraterin I.E.T.












Homepage von Claudia Helbling, tierpsychologische Beraterin I.E.T.







Homepage von Nicole Fröhlich, Hundeschule










Scottieclub.de: Informationen nicht nur für Scottiebesitzer!










Bitte verwenden Sie Brustgeschirre statt Halsbänder. Sehr viele Hunde haben durch Halsbänder Hals-, und Rückenprobleme/Schmerzen und dadurch (mit-)verursacht auch Verhaltensprobleme:
Hier zwei Anbieter von Hundegeschirren:
www.canine.ch
http://www.agilitytrainer.ch/geschirre.htm

Geschirr-Halsband.pdf (Flyer von Siw Heiniger)







Homepage mit guten Spiel und Beschäftigungsideen für alle Hunde:

www.spass-mit-hund.de












Homepage mit diversen Hundeanlässen in der Schweiz:

www.dogevents.ch






Homepage einer eines guten Hundebuchverlages, auch mit Texten zum downlaod:
insbesondere diesen Artikel, der über die Gefahren des Sprühhalsbandes aufmerksam macht: Der Text ist von Clarissa von Reinhard geschrieben und darf/soll unter Angabe der Quelle weiterverbreitet werden: Köpfchen statt Knöpfchen.doc

http://www.animal-learn.de/










Bedürfnisse des Hundes

(Hier der gleiche Text zum Downlaod: Beduerfnisse des Hundes.PDF

Vielleicht haben Sie schon gemerkt, wie gut Ihr Hund Sie beobachten und es für sich nutzen kann? Gerade deshalb sind es auch so liebenswerte Schlitzohren! Wenn aber unsere Hunde so sensibel auf unsere ganze (auch nonverbale) Kommunikation abgestimmt sind, müssen wir uns fragen, wie es umgekehrt steht? Wie gut verstehen wir unseren Hund wirklich?

Viele Wege führen nach Rom, das gilt auch für die Kommunikation mit Hunden. Die Frage ist, welches ist der kürzeste, artgerechteste Weg? Leider sind jene Haudegen- Menschen fast genauso häufig, wie jene Egozentriker, die den Hund vermenschlichen und seine Bedürfnisse nicht wahrhaben können oder wollen.


Vier Dinge will der Hund von uns: Gesundheit, Zuneigung, Bewegung und Beschäftigung; dafür gibt er uns grenzenlose Loyalität und Liebe zurück, sogar, wenn wir einige seiner Bedürfnisse falsch oder gar nicht erfüllen. Zudem ist es unsere Pflicht, uns mit der Denkens- und Lernart des Hundes vertraut zu machen, um mit ihm artgerecht zu kommunizieren.

Gesundheit: Sie können bestimmen, wie viel Sie essen wollen. Die meisten Hunde werden soviel fressen, wie Sie ihm geben. Es ist schön und notwendig, den Hund zu verwöhnen, aber wir müssen uns unserer Verantwortung bewusst sein, den Hund in seinem Interesse schlank zu halten. Er wird dafür mit grosser Wahrscheinlichkeit ein längeres und gesünderes Leben haben. Schlank heisst: Rippen neben den Ellenbogen sind ohne großen Druck zu spüren und eine Taille ist vorhanden. Ich weiss, dass Schotten einen massiven Körperbau haben, aber dies schliesst Schlanksein nicht aus! Regelmässiges Impfen und Entwurmen ist natürlich Pflicht.

Bewegung: Der Hund braucht Spaziergänge ausserhalb des Gartens, um Inputs zu bekommen. Auch Schotten sind sehr sportlich. Unsere Schotten, sogar die mittlerweile 14-jährige Hündin, machten siebenstündige Bergtouren. Die Älteste brachte danach den Ball zum Spielen!






















Beschäftigung: Der Hund ist ein hochentwickeltes Säugetier und muss auch eine geistige Aufgabe haben. Arbeitshunde wie Border Collies werden verhaltensauffällig, wenn sie unterbeschäftigt sind. Schotten resignieren eher, was aber nicht heisst, dass sie weniger darunter leiden Sie müssen keinen Spitzensport machen, aber einfache, lustige Übungen im Alltag oder in einer Hundegruppe werden Ihren Hund und Ihre Beziehung zu ihm enorm bereichern. (vgl. Literaturliste)

Lernverhalten: Hunde lernen durch Verknüpfen. Verhaltensweisen, welche belohnt werden, werden vermehrt gezeigt und umgekehrt. Ein grosses Problem bei Welpenbesitzern ist, dass sie es für selbstverständlich erachten, wenn ihr Hund sich richtig verhält und ihn nur dann korrigieren, wenn er etwas Unerwünschtes tut. Er weiss vielleicht, was er nicht soll, aber was soll er dann?
Also: Besonders beim Welpen, immer Erwünschtes bestätigen! Tut er etwas Unerwünschtes, können Sie ihn entweder ignorieren (wenn sich das Verhalten nicht selbstbelohnt) oder ablenken und eine Ersatzhandlung für diese Situation trainieren. Da das ein bisschen abstrakt ist, hier einige Beispiele: 

Der Welpe sitzt angebunden am Zaun und der Besitzer einige Meter weg. Der Welpe ist ruhig: Jetzt sollte er dafür bestätigt werden, damit er weiss, dass er es gut macht. Oft wird dem Hund erst Aufmerksamkeit zuteil, wenn er bellt und wir rufen „pfui, ruhig!“. Negative Aufmerksamkeit ist auch eine Form der Belohnung. Dem Hund sind unfreundliche Worte lieber, als keine Aufmerksamkeit.

Der Welpe springt immer an Ihnen hoch und Sie möchten ihm dies abgewöhnen. Der Welpe möchte Ihre Aufmerksamkeit. Verweigern Sie diese, indem sie ihn ignorieren. Dies ist eine sehr effiziente und artgerechte Strafe.

Ihr Welpe ist sehr verfressen und frisst alles, was er unterwegs findet. Fressen ist selbstbelohnend, hier nützt Ignorieren meistens wenig. Wenn Sie ihn an der Leine haben und ihn 30 cm vor dem, was er fressen will, stoppen, können Sie entweder warten, bis er die Ersatzhandlung anbietet (fragendes Zurückblicken) oder etwas nachhelfen, indem Sie ihn rufen und bei sich belohnen. Dies verlangt aber Konsequenz. Aber ohne Konsequenz läuft sowieso nichts in der Erziehung, da es für den Hund verwirrend ist, wenn Sie sich unberechenbar verhalten.

Die Graphik zeigt das Vierfeld der Lerntheorie. Positiv steht für zufügen, negativ für wegnehmen. Es gibt also vier Wege dem Hund etwas zu lernen: Die Positive Strafe und das Negative Lob sind die herkömmlichen Erziehungsmittel. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass diese Methoden Stress auslösen und dass unter Stress nicht oder sehr langsam gelernt wird (Vgl. Blackout-Phänomen). Hingegen sind positive Belohnung und negative Strafen artgerecht. Als Beispiel können Sie sich ein Kind denken, dass schlecht in Mathe ist. Zwei Situationen: Nach jeder falsch gelösten Aufgabe gibt es eine Ohrfeige, bzw. nach jeder richtigen Aufgabe ein Schokoladenstückchen. Wo wird das Kind lieber, schneller lernen und wo wird das Kind vertrauen zum Lehrer haben?




























Bitte keine veralteten Strafen verwenden wie Schütteln (bedeutet in der Hundesprache „ich will dich töten.“) oder auf den Rücken werfen (Hunde werfen sich nicht gegenseitig auf den Rücken, sondern das subdominante Tier rollt sich selber auf den Rücken). Bitte auch keinen Schnauzengriff: Die Hände müssen immer positiv besetzt sein für den Hund!

Der Hund ist abhängig von Ihnen. Sie verwalten und verteilen die für den Hund (lebens-)notwendigen Ressourcen wie Futter, Zuneigung und Spiel. Weshalb also nicht ein Teil des Futters auf den Spaziergang mitnehmen und der Hund muss es sich verdienen? Er lernt so schnell, dass Sie das Alphatier sind und er von Ihnen Ressourcen bekommt, wenn er sich erwünscht verhält. Damit demonstrieren Sie mehr Souveränität, wie mit veralteten Strafen. 

Zusammenfassend kann man sagen:
Das Effizienteste ist und bleibt: Erwünschtes bestätigen (und nicht als selbstverständlich erachten) und Unerwünschtes ignorieren (sofern es nicht selbstbelohnend ist) oder durch eine erwünschte Verhaltensweise ersetzen.

Ich weiss, dass wir nur Menschen sind und uns auch einmal die Nerven durchgehen können. Das ist nicht weiter schlimm. Aber wir sollten auch die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft kennen und sie anstreben. Auch hier gilt: Übung macht den Meister.

Ich wünsche Ihnen viel Spass, Harmonie und Freude mit Ihrem Hund! Merken Sie sich: „Es gibt nur einen besten Hund auf der Welt – und jeder besitzt ihn.“

© Bettina Stemmler 2006

Quellen: 
Vierfeldtafel: Dr. Esther Schalke, HIK-1 Certodog Kurs

Mit Dank an: 
Claudia Helbling, Tierpsychologin und Ute Luig für das Gegenlesen.

Pryor, Karen: Positiv verstärken, sanft erziehen
Kosmos Verlag
ISBN: 3440106292

Rugaas, Turid: Hilfe, mein Hund zieht
Animal Learn Verlag
ISBN: 3936188114

Rugaas, Turid: Das Bellverhalten der Hund
Animal Learn Verlag
ISBN: 3936188343

Rugaas, Turid: Calming Signals - Die Beschwichtigungsignale der Hunde
Animal Learn Verlag
ISBN: 3936188017

Clarissa von Reinhardt: Leinenagression
Animal Learn Verlag
ISBN: 3936188459


Dorothée Schneider: Die Welt in seinem Kopf
Literatur für Beschäftigung im Alltag
ISBN: 393618819X

Celina DelAmo:  Spaßschule für Hunde 
100 ganz neue Spiele, Tricks und Übungen. 
Ulmer Eugen Verlag
ISBN: 3800143976

Celina DelAmo:  Spielschule für Hunde
100 Tricks und Übungen
Ulmer Eugen Verlag
ISBN: 3800149206

Celina DelAmo:  Probleme mit dem Hund verstehen und vermeiden. 
Mit 13 speziellen Trainingsprogrammen. 
Ulmer Eugen Verlag
ISBN: 3800143860

Dorit Feddersen-Petersen: Hundepsychologie. 
Sozialverhalten und Wesen. Emotionen und Individualität. 
Kosmos Verlags-GmbH
ISBN: 3440097803




























Die Sache mit der Dominanz

(Hier der gleiche Text zum Downlaod: Die Sache mit der Dominanz.pdf)

Dominanz bezeichnet nur eine Beziehung zwischen zwei Tieren zu einem gewissen Zeitpunkt betreffend einer Ressource (z.B. Futter, Geschlechtspartner), so Esther Schalke (Universität Hannover). Jedoch wird es gerne auch als starre Hierarchie zwischen Sozialpartnern interpretiert. Viele Wissenschaftler in neuerer Zeit stehen der ganzen Dominanz-Alphatier-Rudelgeschichte skeptisch gegenüber. Diese Ideen kamen aus der Wolfsforschung, besonders von Erik Zimen. Dieser untersuchte Gehegewölfe und fand bei diesen eine soziale Hierarchie: lineare Rangordnungen für beide Geschlechter. Diese seien, wenn sie einmal etabliert sind, recht stabil und aggressionshemmend. Hunde sind keine Wölfe, trotzdem kennen Hunde viele Verhaltenselemente, welche soziale Überlegenheit, bzw. Unterwerfung demonstrieren. Zimen ist der Meinung, dass Hunde in ihrem Verhalten juvenilen Wölfen vor der Geschlechtsreife ähneln, da sie wahrscheinlich eine genetische Prädisposition haben, sich dem Menschen zu unterwerfen und nicht wie ein Wolf nach der Geschlechtsreife gefährlich zu werden. 
David Mech kritisiert an Zimens Theorie, dass diese an Wölfen in Gefangenschaft erstellt wurden. Wölfe in Gefangenschaft können nicht wie in freier Wildbahn in andere Territorien ausweichen und das Verhalten ist auch sonst anders als das von wilden Wölfen. Mech hat über 13 Jahre eine wildlebende Wolfspopulation in Kanada beobachtet und nie eine Rangordnungsstreitigkeit beobachtet. Die dominanten Tiere seien einfach die Elterntiere, welche den Nachwuchs aufziehen. So zeigte Mech, dass die Wölfe eher mit einer kooperativen, sozialen, familienähnlichen Struktur zu vergleichen sind. 

„Sogar die vielgerühmte Wolfs-Dominanzhierarchie ist in erster Linie natürlicher Ausdruck von Alter, Geschlecht und reproduktiver Struktur der Gruppe, wobei das männliche Elterntier alle anderen körpersprachlich dominiert und das weibliche Elterntier sich vom Männchen Futter holt, während es sich selbst um die Welpen kümmert. Das typische Wolfsrudel sollte daher als Familie betrachtet werden, in der die erwachsenen Elterntiere die Aktivitäten der Gruppe anführen und die Gruppenleitung in einem System der Arbeitsteilung gemeinsam übernehmen. Dabei überwiegen beim Weibchen hauptsächlich solche Aktivitäten wie die Betreuung und die Verteidigung der Welpen, während sich das Männchen vorrangig dem Jagen, der Futterversorgung und den damit verbundenen Wanderungen widmet.“ (Mech 2000)

Auch Bekoff sagt, dass Caniden deshalb so erfolgreich sind, weil sie kooperieren und nicht jeder versucht, sich an die Macht zu prügeln oder zu manipulieren. 


Es ist fragwürdig, inwiefern man Erkenntnisse bei Wölfen auf Hunde übertragen kann. Coppinger sagt zu Recht, dass Hunde sich schon sehr lange von Wölfen getrennt haben und sich in einer anderen ökologischen Nische entwickelt haben. Wir sind auch vorsichtig beim Übertragen von Erkenntnissen beim homo erectus auf den Menschen! Coppinger vertritt die Theorie, dass sich Hunde beinahe selbst domestizierten, indem sie halbwild neben menschlichen Siedlungen von dessen Abfall lebten. Jene, die weniger scheu waren, haben eher überlebt. Solche Hundepopulationen finden sich zum Teil heute noch in Entwicklungsländern. Auf der ostafrikanischen Insel Pemba konnte Coppinger beobachten, dass die Hunde keine sozialen Hierarchien zeigten, sondern jeder Hund sein Abfallterritorium hatte, was von den anderen Hunden respektiert wurde, so dass diese ihre Energie nicht für „Rangkämpfe“ vergeudeten. Diese Hunde verhalten sich eher wie Aasgeier als wie Jäger.
















„Bei den Dorfhunden findet man kaum noch „Wolfsverhalten“. Die Hunde auf Pemba haben offenbar Reviere, in denn sie Futter suchen. Sie drohen anderen Hunden nicht direkt und haben das auch kaum nötig. Sie verhalten sich insgesamt sehr unauffällig und verteilen sich einfach auf die Umgebung.“ (Coppinger, 2003, S. 82)

„Die meisten Hunde auf Pemba leben alleine oder in sehr kleinen Gruppen mit maximal drei Tieren.“ Hierbei haben sie meistens dieselbe Farbe, was auf Verwandtschaft schliessen lässt. „Das Gruppenverhalten der Hunde auf Pemba entspricht nicht dem Rudelverhalten von Wölfen! Im Gegensatz zu weit verbreiteten Vorstellungen zeigen Hunde überall auf der Welt kein (oder nur sehr selten) „Rudel“-Verhalten. Wölfe arbeiten bei der Jagd im Rudel zusammen, um grosse Beutetiere erlegen zu können (...) Die Hunde brauchen nicht wirklich eine soziale Struktur, um sich von weggeworfenen Hühnerknochen und Mangoschalen zu ernähren. (...) Diese Tatsache ist für unser Verständnis von Hunden überaus wichtig. Der Dorfhund ist kein Rudeltier in dem Sinn, wie der Wolf es ist. (...) Ist Rudelverhalten genetisch bedingt? Forschungsergebnisse legen den Schluss nahe, dass es einen Entwicklung und Anpassung an ein bestimmtes Habitat ist. Wölfe bilden nicht immer Rudel; manche Populationen sogar nie.“ (Coppinger, 2003, S83f)

Coppingers Theorie muss nicht der Wahrheit entsprechen, aber sie sollte uns anregen, darüber nachzudenken, dass Hunde sich sehr lange anders entwickelt haben als Wölfe.

Leider werden Zimens Theorien um die Dominanz bei (Gehege-)Wölfen einfach auf den Hund übertragen und vereinfacht als Tipps für Hundehalter interpretiert. Worte, wie „der muss wissen, wer der Chef ist“ und „wirf den mal auf den Rücken, damit er weiss, wo er hingehört“, sind leider weit verbreitet. Wenn man ein Wolfsrudel beobachtet oder auch wilde Hunde, sieht man, dass es eher einer Familie oder einer losen Gemeinschaft gleichende Strukturen sind und die Elterntiere ruhige, besonnene Tiere sind, welche versuchen, Probleme zu vermeiden und sozial kittend zu wirken.  Caniden sind so erfolgreich, weil sie kooperieren und äußerst sozial sind, nicht weil jedes Individuum versucht, „an die Macht zu kommen“, andere zu kontrollieren oder zu manipulieren. Hallgren und Eaton haben sehr lesenswerte Bücher über die sogenannte „Dominanz“ unserer Haushunde geschrieben. 


















Als Hundehalter müssen wir Souveränität und Sicherheit ausstrahlen. Der Hund muss wissen, dass wir uns um die Dinge kümmern und er uns vertrauen kann, weil wir die Verantwortung übernehmen. Ähnlich wie die Elterntiere im Canidenverband. Wir verwalten alles, was für den Hund zum Überleben essentiell ist. Wir haben sein Futter, sein Zuhause, geben ihm Spiel, Pflege und Sozialkontakte. Der Hund wird schnell lernen, dass er für erwünschtes Verhalten all das kriegt, was er braucht. Es ist nicht wichtig, vor dem Hund durch die Tür zu gehen, ihn nicht auf Sofa zu lassen, vor ihm zu essen etc. Im Wolfsrudel fressen sowieso die Welpen zuerst!
Will man ein Tier halten, das sich gut in unser Leben integriert, sollte man sich mit Lerntheorie beschäftigen, dann merkt man, dass die Dominanzgeschichten unnötig sind. Man sollte erwünschtes Verhalten nicht für selbstverständlich erachten, sondern verstärken und Unerwünschtes ignorieren, bzw. wenn es sich selbstbelohnt mit einer attraktiven Alternative ersetzen (vgl. z.B. Pryor). 
Dies gilt sowohl für Hunde, wie auch Menschen und jegliche lernfähige Tiere! Man kann Hunde souverän und konsequent halten, aber nicht tyrannisch, sondern liebevoll und in gewissen Massen kooperativ, ohne dass ein Zacken aus der Krone fällt.

© Bettina Stemmler, 2010
Psychologiestudentin im 10. Semester, Dipl. tierpsychologische Beraterin I.E.T., Int. Hundetrainerin nach Rugaas, Cert. Hundeinstruktorin Certodog HIK-1

Literaturliste:
Bekoff, M. (2008). Das Gefühlsleben der Tiere. Bernau: Animal Learn Verlag
Coppinger, R. & Coppinger L. (2003). Hunde. Neue Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Caniden. Bernau: Animal Learn Verlag.
Eaton, B. (2003). Dominanz - Tatsache oder fixe Idee? Bernau: Animal Learn Verlag.
Hallgren, A. (2006). Das Alpha Syndrom: Über Führung und Rangordnung bei Hunden - was das ist und was nicht. Bernau: Animal Learn Verlag.
Mech, L. D. (1999). Alpha status, dominance, and division of labor in wolf packs. Canadian Journal of Zoology, 77, 1196-1203. Jamestown, ND: Northern Prairie Wildlife Research Center Home Page. On-Line. Available: http://www.npwrc.usgs.gov/resource/mammals/alstat/index.htm, in Deutsch auf: http://www.animal-learn.de/
Pryor, K. (1999). Positiv bestärken – sanft erziehen. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlag.
Zimen, E. (1990). Der Wolf. München: Knesebeck & Schuler.






Arbeiten mit Sekundärverstärker (Clickertraining)

(Hier der gleiche Text zum Downlaod: Clicker.PDF

Zusammen mit meiner Scottiehündin Camilla nahm ich an einem dreitägigen Clickerseminar teil, geleitet von Françoise Teuscher. Da vielleicht viele der Leser schon von Clicker gehört haben, aber nicht wissen, worum es da geht, schreibe ich diesen Artikel.

Man unterscheidet primäre und sekundäre positive Verstärker. Unter den primären Verstärker ist das zu verstehen, was das individuelle Tier mag. Bei vielen Tieren ist das Futter, andere bevorzugen Spiel, ein Pferd will vielleicht auf die Weide oder für gewisse Tiere ist verbales Lob und Streicheln auch so wichtig. Bevor Sie mit dem Hund arbeiten, sollten Sie sich überlegen, was er ganz besonders mag, zum Beispiel Wurststückchen. Diese Belohnung wird dann mit Vorteil nur beim Arbeiten verwendet. 
Die Sekundärverstärker sind ursprünglich neutrale Reize (Töne, optische Reize etc), die durch klassische Konditionierung mit dem Primärverstärker assoziiert wurden. Beim Pawlowschen Hund wurde dem Hund Futter präsentiert, was einen unbedingten (nicht konditionierten) Reflex, nämlich das Speicheln auslöste. Danach wurde das Futter mehrmals präsentiert und man hat jeweils kurz davor ein akustisches Signal ertönen lassen. Irgendwann wurde dann eben aus dem neutralen Reiz (Ton) einen bedingten (konditionierten) Reiz, welche den Reflex des Speicheln auch auslöste, wenn kein Futter mehr anwesend war.  Pawlow hat dies übrigens per Zufall entdeckt, er interessierte sich für den Verdauungsapparat des Hundes und hat gemerkt, dass ein Geräusch kurz vor dem Füttern bereits das Speicheln auslöste.

Beim Clickertraining geht man aber noch über die klassische Konditionierung hinaus. Dies ist nur die Basis. Der Hund muss den Click mit seinen favorisierten primären Verstärkern verknüpfen (Click=Wurst, Käse, Spielzeug etc. wird gleich kommen). Ist diese Assoziation da, kann der Hund operant konditioniert werden. Das bedeutet, dass der Hund etwas über die Konsequenzen seines Verhaltens lernt. Zeigt er erwünschtes Verhalten, kriegt er einen Click und eine Belohnung, bei unerwünschtem Verhalten bleibt der Click aus. Weil der Hund den Click möchte, ist er motiviert, sich erwünscht zu verhalten und kreativ zu sein. Er experimentiert, welches Verhalten erwünscht ist, und der Mensch muss deshalb genau wissen, was er vom Tier möchte und alle Verhaltensweisen, die in diese Richtung gehen oder gar schon die Endform des gewünschten Verhalten darstellt, klicken. 
Hunde, die nach „alter Schule“ ausgebildet wurden – „du gehorchst, sonst...“ experimentieren in einer solchen Situation nicht, weil sie aus Angst vor Unangenehmem gehorchen und nicht weil sie sich auf etwas Angenehmes freuen. 
Um etwas konkreter zu werden: Beim Clickertraining wird oft ein sogenanntes Target verwendet. Dies ist ein ausfahrbarer Stab, an dessen Ende ein kleines Bällchen sitzt. Bevor wir beginnen, überlegene wir uns wieder, was wir vom Hund wollen: Er soll die Nase mit geschlossenem Mund an den Target halten und dort warten, bis der Click kommt, auch wenn ein Wurststück unter seiner Nase liegt. Wir halten ihm also den Target in die Nähe und sobald er seinen Kopf in die Richtung des Targets bewegt – Click-Wurst. Durch Wiederholung lernt der Hund was genau in seinem Verhalten geclickt wurde, nämlich nicht die Rutenhaltung oder irgendwas, sondern die Bewegung des Kopfes zum 
Target. Das nennt sich Shaping, also Formen des Verhaltens. 


Bild links: Camilla berührt den Target mit der Nase und wartet auf den Click und die Belohnung
Bild rechts: Camilla hält die Nase an den Target und wartet auf den obwohl ein Futterstück unter ihrem Kopf liegt


















Wir können mit unserem Hund nicht in unserem Vokabular sprechen, aber der Clicker ist eine Art Sprache, mit der der Hund motiviert ist, uns Verhalten zu zeigen, auf das wir selber nicht einmal gekommen wären. Die Clickerinstruktorin Françoise Teuscher erzählte uns von einem Delfin, der von Karen Pryor trainiert wurde und von ihr immer nur für neues Verhalten geklickt wurde. So lernte er immer kreativer zu sein und zeigte Kunststücke, von denen man gar nicht auf die Idee gekommen wäre, sie zu trainieren.

Viele Hundehalter sind sich nicht bewusst, dass sie oft sehr unklar mit dem Hund kommunizieren und der Hund nicht gehorcht, weil er nicht versteht, um was es geht. Im Kurs mussten wir daher als Menschen einen Menschen trainieren. Am Besten überlegen Sie sich eine Aufgabe, zum Beispiel zu einem Lichtschalter gehen und in drücken, und versuchen einem Menschen das mit Klicker zu kommunizieren. Sie müssen also klicken, sobald die Person sich in Richtung der Schalter bewegt oder schaut. Nach dem Klick kommt die Person schnell symbolisch zu Ihnen den Primärverstärker abholen. Die Person muss dann experimentieren für was sie geklickt wurde – war es der Blick, die Armhaltung, die Bewegung etc? Je präziser der Trainer klickt und je kreativer die Person ist, desto schneller ist das Ziel erreicht. Klickt der Trainer mit schlechtem Timing oder beobachtet er die Person nicht genau, wird es für diese sehr schwierig, zu verstehen, was gewünscht ist. Da kann es schon einmal zu Frustrationsgefühlen kommen, man wird ärgerlich und fühlt sich  hilflos. Dieses Spiel ist nicht kindisch, sondern zeigt uns in eindrücklicher Weise, wie es ist, ein Tier zu sein und wie wichtig unsere eindeutige Kommunikation ist. 


Camilla konnte am Ende des Kurses tatsächlich mit der Nase am Target bleiben, auch wenn so herrlich stinkende Poulethaut 10 cm unter dem Target lagen. Jetzt brauche ich das Klicken für das Agility. Beim Laufstegabgang hat es weisse Zonen, die der Hund berühren muss. Ich möchte meinen Hunden lernen, über den Laufsteg zu gehen und nicht abzuspringen. So habe ich das Abgangselement des Laufstegs ins Gras gelegt, lasse sie darüber rasen und klicke sie während sie über die  Zone laufen. Hier ist die Beobachtungsgabe entscheidend, denn schon ein kleiner Sprung darf nicht geklickt werden, sowie das Timing, indem ich gerade dann klicke, wenn der Hund auf der Zone läuft. Ich bin gespannt, wie sich das in denn kommenden Monaten entwickeln wird. 

Entscheidend beim Clickertraining sind also die Beobachtungsgabe und das Timing des Trainers, damit er wirklich die richtigen Informationen dem Tier übermittelt. Wenn Sie nach Lektüre dieses Berichtes neugierig geworden sind auf Clickertraining, empfehle ich Ihnen ein Buch darüber zu kaufen und einen Kurs oder ein Seminar zu absolvieren. Ohne den theoretischen Background, ist es schwierig es richtig umzusetzen. Aber es lohnt sich sehr und man lernt eine Menge über die Denk- und Lernweise von Tieren (und Menschen!) und eröffnet sich dadurch vielleicht eine neue Ebene zum Tier als Kommunikationspartner.

Vielen Dank an Françoise Teuscher, Clickerspezialisitin, für das Gegenlesen

3/2007

© Bettina Stemmler 2007




http://www.kvembrach.chDownloads.htmlhttp://www.scottiepost.dehttp://www.canine.chhttp://www.agilitytrainer.ch/geschirre.htmKynologie_files/Geschirr-Halsband.pdfhttp://www.spass-mit-hund.dehttp://www.dogevents.chKynologie_files/Ko%CC%88pfchen%20statt%20Kno%CC%88pfchen.dochttp://www.animal-learn.de/Kynologie_files/Beduerfnisse%20des%20Hundes.PDFKynologie_files/Die%20Sache%20mit%20der%20Dominanz.pdfhttp://www.npwrc.usgs.gov/resource/mammals/alstat/index.htmhttp://www.animal-learn.deKynologie_files/Clicker.PDFshapeimage_2_link_0shapeimage_2_link_1shapeimage_2_link_2shapeimage_2_link_3shapeimage_2_link_4shapeimage_2_link_5shapeimage_2_link_6shapeimage_2_link_7shapeimage_2_link_8shapeimage_2_link_9shapeimage_2_link_10shapeimage_2_link_11shapeimage_2_link_12shapeimage_2_link_13shapeimage_2_link_14
Agilityscotties.ch/Agilityscotties.ch.html