Tanja vom Rohrigmoos (Tessie)


Tessie lebte vom 4.6.1991 bis 31.5.2006. Sie war einer der wunderbarsten Hunde, die man sich vorstellen kann. 15 Jahre alt zu werden und ein gesundes, abwechslungsreiches und aktives Hundeleben zu führen, ist ein grosses Geschenk. Im März 2006 wurde Lymphkrebs festgestellt. Im Sommer davor machte sie noch siebenstündige Bergtouren und sie liebte Agility und Mobility.


Am 30.5.2006 ging es ihr nach einer guten Phase innert weniger Stunden ganz schlecht. Im Tierspitalnotfall am Abend kriegte sie noch Medikamente gegen Fieber. Danach nahmen wir sie wieder zurück. In der Nacht hob sie oft das Köpfchen, hatte aber nicht mehr die Kraft aufzustehen. In dieser Nacht träumte ich, wie sie wedelnd und mit fröhlichem Gesichtsausdruck auf mich zuläuft. Am Morgen wollten wir in das Tierspital fahren, aber sie schlief von selbst im Beisein vom Besitzer und mir ein, gerade als wir sie ins Auto einladen wollten. Obwohl sie sonst keine Kraft mehr hatte aufzustehen, richtete sie sich nochmals auf und schaute gegen den Himmel. Wir sind so froh, dass es zuhause passierte und sie von selber gehen konnte. Ich habe grossen Respekt vor allen Hundehalter, die über den Zeitpunkt ihres Hundes entscheiden mussten.


Wir sind so traurig, dass wir sie nicht mehr in gewohnter Form um uns haben. Natürlich ist man dankbar für die lange Zeit. Aber gerade weil sie einem eine solch lange Zeit durch das Leben begleitet hat und wir so intensiv gelebt haben, ist es ein schwerer Verlust. In ihrem Leben legte sie mindestens 25000 km zurück.


Im Anschluss finden Sie die Homepage von Tessie, die ich erstellt habe, als sie lebte. Ich möchte dies so erhalten. Neben einem Beschrieb ihrer Persönlichkeit, vielen schönen Bildern aus ihrem abwechslungsreichen Leben und ihrem Stammbaum, finden Sie ein Plädoyer, warum man auch alte Hunde geistig beschäftigen sollte und unsere Gedanken, die wir uns damals bei der schwierigen Entscheidung zur Chemotherapie machten.


Das Foto zeigt Tessie im Alpstein (Appenzell) mit 14 Jahren (Wanderung Alp Siegel - Übernachtung im Berggasthaus Bollenwees - Staubern - Hoher Kasten) Danach brachte sie noch den Ball!

 

Geboren am 4.6.1991 in der Schweiz. Sie ist eine unglaubliche „Ratte“. Trotz ihrem hohen Alter ist

sie noch sehr fit und verspielt. Sie macht problemlos mehrstündige Bergtouren und geht jede Woche in die Agility-Mobilityplauschgruppe. Sie ist das unbestrittene Alphatier im Rudel. Im Alter hat sie sehr viel Souveränität und Abgeklärtheit gewonnen. Sie ist neutral bis freundlich zu anderen Hunden, wenn ihr etwas nicht passt, braucht sie nur wenig die Lefzen anzuheben und die Sache ist klar. Als sie anfangs 2003 unerwartet ihren Bruder Timmy verlor, wurde sie schnell einsam und begann zu altern. Deshalb kamen Scully und Flash dazu. Tatsächlich erwachte sie zu neuem Leben! Sie liebt Flash über alles und begann wieder wie ein junger Hund zu spielen und das Leben zu geniessen. Unterdessen ist sie fast 15 Jahre alt. Wir geniessen jeden Tag mit ihr.


Was wir machen, dass sie so fit ist? Wahrscheinlich haben wir Glück, dass sie aus gesunden,

ursprünglichen, langlebigen Linien abstammt. Zudem haben wir sie nie einrosten lassen, d.h. sie hat eine sehr gute Kondition, bewegt sich viel und wird auch geistig gebraucht im Plauschtraining. Zudem schauen wir, dass sie nicht dick wird und geben ihr GAG Muschelextrakt für die Gelenke ins Futter (auch für junge Hunde und Prävention sehr zu empfehlen!) Die Gesellschaft der anderen Hunde hält sie auch auf Trab und gibt ihr Lebensfreude. Zudem geht sie öfters in die Akupunktur für Hunde und in die Hydrotherapie für Hunde. Im März 06 wurde nun ein B Zell Lymphom festgestellt. Weil Tessie sonst noch topfit ist und Freude am Leben hat, haben wir uns für Chemotherapie entschieden. Hunde vertragen diese besser wie Menschen und die Erfolgsrate ist höher. Hätten wir nichts gemacht, wäre sie innert weniger Tage gestorben. Jetzt haben sich die Tumore grösstenteils zurückgebildet und es geht ihr  meistens gut. Ihre ganze Geschichte kann man auf dem Forum für Lymphome nachlesen und zwar unter dem Kapitel „Chemotherapie“ und dem Thema „Nebenwirkungen von Doxorubicin“. Dieses Forum ist wirklich toll. Unglaublich wie viele Leute Anteil nehmen und einem Tipps geben können. Am Ende dieser Seite sind unsere Überlegungen, die wir uns machten zur Chemotherapie.






Hier sehen Sie noch die schönsten Bilder von Tessie als Diashow, unterhalb davon ihr Stammbaum und einige Gedanken über das Arbeiten mit älteren Hunden und zur Chemotherapie.

Tessies Stammbaum. Sie stammt von alten britischen Linien ab. Ich glaube, ihre Linie existiert nicht mehr. Falls jemand einen Rohrigmooser Scottie hat, bitte melden. Würde mich interessieren, ob es noch Verwandte gibt.

Gedanken über die Beschäftigung von alten Hunden


Viele Hundehalter, die mit ihren Hunden arbeiten, „pensionieren“ den Hund, wenn er älter wird. Sie meinen, der Hunde würde das wollen oder wollen selber lieber mit einem jungen Hund arbeiten, bzw. den möglichst schnell aufs Treppchen bringen. Ich bin der Meinung, dass auch ein alter Hund noch gebraucht werden möchte und sein Kopf anstrengen muss um nicht zu verosten (gilt auch für den Bewegungsapparat!) Man soll es natürlich dem Zustand des Hundes anpassen, aber einfach von heute auf morgen den Hund wie ein abgenutztes Sportgerät in die Ecke stellen, erachte ich als inhuman. Tessie wird zwar mit Akupunktur, Schwimmen (www.canesano.ch) und angemessener Bewegung körperlich fit gehalten, aber wenn der Geist nicht mehr will, nützt das nichts. Als die Winterpause vorbei war und sie das erste mal wieder in die Plauschgruppe ging, spürte ich auf bewegende Weise die Veränderung im Hund. Anfangs noch verhalten und etwas steif. Dann nach einigen erfolgreichen Übungen voller Selbstvertrauen und Fröhlichkeit. Die erfolgreiche gemeinsame Bewältigung selbst kleiner Aufgaben gibt dem Hund das Gefühl etwas zu können, für etwas gebraucht zu werden. Dies stärkt den Lebenswillen ungemein.

Mein erster Scottie im Agility war Timmy (siehe Seite Agility mit Scotties) Als er älter wurde empfahl mir mein Übungsleiter den Hund zu pensionieren und einen jungen zu trainieren. Ich würde Timmy mit dem Training schaden. Fakt war, dass Timmy‘s Tierarzt das Training befürwortet hatte und Timmy niemals Beschwerden vor oder nach dem Training gezeigt hatte. Im Gegenteil, er war frustriert wenn es eine Woche ausfiel! Deshalb verliess ich diese Gruppe und erklärte dem Trainer, dass ich Timmy nicht in die Ecke stellen würde. Glücklicherweise fand ich die Plauschgruppe in Embrach. Timmy trainierte dort noch drei Jahre lang voller Enthusiasmus und Lebensfreude. Bis drei Tage vor seinem Tod blieb er agilitybegeistert und fit. Ich möchte jedem Mut machen, seinen Hund bis ins hohe Alter zu beschäftigen. Irgendetwas; Suchspiele, Gehorsamstraining, Mobility, Plauschagility, Military. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sie werden sicher spüren, was Ihrem Hund Spass macht und wieviel er arbeiten möchte. Qualität geht auch hier über Quantität.


Leider gibt es nicht so viele Plauschgruppen, wo man auch mit älteren Hunden mitmachen kann. Aber es entstehen immer mehr. Auf www.agility-ch.ch unter dem Link Vereine finden Sie viele Hundesportvereine in den deutschsprachigen Ländern, wo man abklären kann, ob es Plauschgruppen gibt.


Tessie in Arosa 2001

Warum wir uns für die Chemotherapie entschieden haben


Ich begreife die "Chemogegner" Argumente. Bei komplexen Problemen gibt es immer Vor und Nachteile abzuwägen und die individuelle Situation zu berücksichtigen. Hätte man mich vor einem Monat dazu befragt, hätte ich es wohl auch abgelehnt. Aber wenn man selber in der Situation steckt, erkennt man erst die Vielschichtigkeit.


Hier Tessie's Geschichte, damit man vielleicht nachvollziehen kann, warum wir so gehandelt haben.


Die Vorgeschichte:


Tessie hatte bis jetzt wirklich ein schönes Leben. Sie ist in ihrem Leben mehr als Zürich - Los Angeles und retour gelaufen und liebt Agility und Plauschhundesport. Sie lebt in einem Rudel, früher nur mit ihrem Bruder, heute mit drei nicht nah verwandten Scotties. In diesem Rudel ist sie das unbestrittene Alphatier. Sie hat eine grossartige Persönlichkeit entwickelt, besonders jetzt im Alter, strahlt Souveränität und Zufriedenheit aus. Weil sie immer viel bewegt wurde, hat sie eine tolle Kondition. Letzten Sommer kam sie mit auf lange Bergwanderungen und als wir Abend zurückkamen, brachte sie den Ball zum spielen! Sie ist einfach eine unglaubliche "Ratte"

Sie war eigentlich immer gesund, mit etwa 6 Jahren hatte sie einen bösartigen Tumor zwischen den Zehen, der so meisterhaft entfernt wurde, dass nie mehr derartiges auftrat. Um sie fit zu halten, geht sie öfters in die Akupunktur und in die Hydrotherapie. Zudem bewegen wir sie angemessen und sie geht in das Mobilityplauschtraining. Den ein Hund muss leben wollen, um gesund zu bleiben. Wenn er sein Köpfchen gebrauchen kann und Erfolge verbuchen kann, weiss er, dass er noch etwas kann, noch für etwas gebraucht wird. Diese gibt unglaublich viel Lebensenergie. Zudem kriegt sie GAG Gelenkspulver. Das Rudel hält sie jung. Die Hunde sind sehr harmonisch miteinander.


Im Februar entdeckte ich zwei subcutane Knoten. Es waren zwei gutartige Plasmozytome. Anfangs März war der rechte Lymphknoten beim Kiefer geschwollen. Eine Punktierung zeigte einen reaktiven Lymphknoten, aber noch keinen Krebs. Am 5. März bemerkte ich, dass die Lymphknoten an den Hinterläufen auch geschwollen waren. Tags darauf ging sie zum Tierarzt, der verwies uns ans Tierspital in Zürich (Radio-Onkologie), das international renommiert ist auf dem Gebiet.


Nach der Untersuchung dort stand fest, dass alle äusseren Lymphknoten vergrössert sind und ein Lymphosarkom vorliegt


Wir lieben Tessie über alles und nicht liegt uns ferner, sie für unser Ego leiden zu lassen, aber folgende Überlegungen führten uns zur Entscheidung:


Tessie ist ausgesprochen fit. Alter allein ist noch keine Krankheit. Die Lymphknoten kamen so schnell, dass sie mit grösster Sicherheit innert weniger Tage bis Wochen qualvoll gestorben wäre. Wir hätten uns unsägliche Vorwürfe gemacht, wenn sie in so kurzer Zeit gestorben wäre und wir ihr nicht die Chance auf einen letzten schönen Sommer gegeben hätten. Im Allgemeinen vertragen Hunde die Chemo gut und die Erfolgschancen sind hoch. Die Akupunkturtierärztin befürwortet die Chemo. Ebenso mein Tierarzt und die Tierärzte im Tierspital. Wenn die Therapie anschlägt, kann sie noch einen schönen Sommer erleben. Wir mussten es einfach probieren. Tessie lebt so gerne! Sie hat uns so viel gegeben. Es war wohl kurz vor dem point of no return zum handeln. Zudem wird sie jetzt auch noch komplementär mit Homöopathie behandelt.


Natürlich sahen wir auch die Nachteile. Deswegen haben wir uns für das kurze Protokoll entschieden. Nur alle drei Wochen ein Medikament und nicht jede Woche. Sobald Tessie nicht mehr will. Wenn sie Essen, Aktivität und Spiel verweigert, sind wir die Ersten, die den Versuch abbrechen.

Agilityscotties.ch/Agilityscotties.ch.html
 
Portrait.html